Für jeden Musikstil gibt's die passende Gitarre.
Allgemein Wissen

Hilfe, wie lerne ich jetzt noch Gitarre?

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Wenn’s ums Musikmachen geht, reden viele über Talent, aber nur wenige über das eigentlich Wichtige: das Anfangen. Aber geht denn das so einfach? Und wenn ja, wie? Ein Ratgeber.

„Nutze die Talente, die Du hast. Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen“, lautet ein bekanntes Zitat, das dem amerikanischen Schriftsteller Henry van Dyke zugeschrieben wird. Die Metapher kommt nicht von ungefähr. Sind es doch gerade die musikalischen Disziplinen, denen viele von uns mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Misstrauen gegenüberstehen. Schließlich braucht man für Musik ein teures Instrument und eine profunde Grundkenntnis über den Quintenzirkel (mindestens!). Oder?!

Kein Wunder also, dass vor allem Menschen über Zwanzig mit dem Anfangen hadern: Als sei das einzig ehrenhafte Ziel, möglichst bald einem bekannten Orchester beizutreten, und die Spielfreude allenfalls ein peinlicher Nebeneffekt. Das gilt sogar für den Straßenköter unter den Instrumenten: die Gitarre. „Mein Kumpel spielt in einer Band und ist so gut! Wenn ich das seh, brauch ich gar nicht erst beginnen.“ – „Ein E-Bass wäre schon was. Aber diese ganze elektronische Equipment schreckt mich ab.“ – „Ich würde ja gerne. Aber jemand sagte, meine Hände seien zu klein.“ Diese und ähnliche Sätze habe ich schon einmal von Leuten gehört, die Musik machen wollten – aber dann zur Erkenntnis kamen, dies sei nur mit dem magischen Potenzial eines Gandalf des Weißen möglich. Warum ist das so? Zum einen vielleicht, weil sich immer alles viel zu schnell um die Theorie dreht. Der Holzduft einer Gitarre oder die Vibration und der Klang der Saiten lassen sich eben nicht in einem Lehrbuch erleben. Zum anderen schon gleich diese ganzen Details … Was ist mit den wesentlichen Fragen? Die beantwortet wieder keiner. Das heißt, bis jetzt! Hier sind die wichtigsten Fakten für Einsteiger auf einen Blick.

Gitarre spielen lernen: 7 Fragen. 7 Antworten.

1. Benötige ich Notenkenntnisse?

Zum Glück nicht! Die ersten Schritte machst Du anhand von Grifftabellen, die die genaue Position der Finger beschreiben. Damit lernst Du zunächst einfache Akkorde zu greifen. Als Rechtshänder übernimmt das Deine linke Hand. Die rechte Hand dagegen ist für den Anschlag zuständig – und somit für die Rhythmik. Als Linkshänder legst Du Dir am besten eine Lefty-Gitarre zu und machst es einfach umgekehrt. Eine Mischung aus Grifftabelle und Noten ist die so genannte Tabulatur: Diese zeigt die Position der Finger an, aber auch die Rhythmik, die Takte sowie die Spieltechnik.

„Wie bringt man einen Gitarristen dazu, leiser zu spielen? Man legt ihm ein Notenblatt vor. Und wie bringt man einen Gitarristen dazu, mit dem Spielen aufzuhören? Man schreibt Noten drauf.“Musikerwitz über traurige Wahrheit

Auch ohne Noten gibt’s anfangs natürlich ein paar Herausforderungen. Zum Beispiel müssen sich Deine Finger erst an die ungewohnte Haltung und den Druck der Saiten gewöhnen. Aber keine Sorge: Übung macht den Meister. Das gilt auch für die berüchtigten Barré-Griffe, die eine gewisse Fingerakrobatik erfordern. Der Trick ist, sich nicht entmutigen zu lassen.

Übrigens: Sollte Dich die Musik so richtig packen, wirst Du vielleicht aus eigenem Antrieb bald mehr über die Theorie und das Notenlesen wissen wollen. Einfach, um Dir neue Möglichkeiten zu eröffnen und freier (und somit kreativer) in Deinem Spiel zu sein.

2. Lehrer oder Selbststudium?

Jeder hatte früher wohl diesen einen Freund, der täglich nach der Schule sterbenslangweilige Etüden auf Klavier oder Violine üben musste, statt sich auf der Straße zum Spielen zu treffen. Schuld daran war ein strenger klassischer Lehrer, der schon böse guckte, sobald man die Beatles erwähnte. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei. Mit der richtigen Unterstützung kommt die Motivation wie von allein. Ein Gitarrenlehrer bringt Regelmäßigkeit in Dein Hobby und bewahrt Dich davor, Fehler einzuüben. Du siehst Dich eher als Autodidakt? Dann kannst Du auf die große Vielfalt an (kostenlosen) Arbeitsmaterialien und Online-Tutorials zurückgreifen. Wirf einfach mal einen Blick ins Internet. Wenn Du Dich entschieden hast, fehlt eigentlich nur noch das Instrument.

 Woran erkenne ich einen guten Lehrer?

  • Er akzeptiert, dass Du die Musik als Hobby siehst und setzt Dich nicht unter Druck
  • Er kennt sich aus mit Musiktheorie, kann Dir Fachbegriffe leicht erklären und verunsichert Dich nicht damit
  • Er über- und unterfordert Dich nicht
  • Er nimmt auf Deinen Musikgeschmack Rücksicht
  • Er gibt nicht pausenlos damit an, was für ein cooler Rocker er ist oder drückt Dir Konfessionstalk auf (siehe Punkt 7)

3. Konzert-, Western- und E-Gitarre: Wo liegt der Unterschied?

Kurze Antwort: In der Bauart und somit im Klang. Lange Antwort: Jedes Instrument prägt den Musikstil, der ihm eigen ist. Von klassischer Musik über Flamenco, Folk, Jazz und Blues bis hin zu Rock und Pop – für jedes Genre und jeden Sound gibt’s die passende Gitarre. Und zwar in solcher Vielfalt, dass ich morgen noch nicht fertig wäre, würde ich jetzt alle unterschiedlichen Sorten hier auflisten. Als Anfänger brauchst Du erst mal nur diese drei Überkategorien zu kennen:

  • Akustische Gitarren mit Nylonsaiten (Konzert-, Flamencogitarren)
  • Akustische Gitarren mit Stahlsaiten (Folk-/Westerngitarren)
  • Elektrische Gitarren mit Stahlsaiten

Typisch für Pop- und Rockmusik sind Western- und E-Gitarren. Am besten fängst Du mit einer akustischen Gitarre an. Denn mit Stromgitarren beginnt eine Wissenschaft für sich mit endlosen Soundmöglichkeiten – und dem entsprechenden, kostspieligen Equipment, das Du dann natürlich in jedem Fall haben wollen wirst (#Gearhead). Darum ist es nicht schlecht, vor der elektronischen Klangtüftelei schon mal ein paar Basics zu beherrschen.

Tipp: Starte am besten mit einer Konzertgitarre, die es in guter Qualität schon zwischen 100 und 150 Euro zu kaufen gibt. Zum einen steigst Du so günstig in das Hobby ein, zum anderen sind Konzertgitarren am Anfang eine echte Motivation. Der Vorteil sind der breite Gitarrenhals und die weichen Nylonsaiten, die für ungeübte Finger besonders angenehm sind. Plus: Wenn Du später in ein teures Instrument investierst, hast Du bis dahin eine bessere Vorstellung davon, was es alles können soll.

4. Worauf muss ich beim Gitarrenkauf achten?

Tipps und Tricks beim Gitarrenkauf sind für Anfänger meist Böhmische Dörfer. Wer kennt sich am Anfang schon aus mit Bundreinheit, Intonation oder angenehmer Bespielbarkeit …? Eben. Geh am besten gleich in ein seriöses Gitarrenfachgeschäft, wo man Dir so oder so keinen Mist verkauft. Gute Läden erkennt man an einer großen Auswahl von Instrumenten und Marken in jeder Preisklasse. Stehen dagegen seit fünf Jahren dieselben Klampfen vergilbt im Schaufenster – am besten noch neben alten Druckern und Modelleisenbahnen – Finger weg. Solange Du es Dir einigermaßen leisten kannst, solltest Du lieber in etwas Vernünftiges investieren. Es gibt zwar immer wieder Mythen von Musikern, die auf einer 10-Euro-Klampfe von LIDL ihr einzigartiges Talent zum Vorschein brachten – doch ein Instrument mit scharfen Kanten oder dumpfem Sound ist für die meisten Leute eher ein Motivationskiller. Die Gitarre sollte Dir Spaß machen. Deshalb kannst Du dich im Großen und Ganzen auf dein Gespür verlassen. Fühlt sich das Teil gut an, klingt es gut, sieht es gut aus, ist es bezahlbar? Dann nimm es mit nach Hause!

Welche Rolle spielt die Größe?
Eine Gitarre in Normalgröße (4/4 oder 8/8) ist auf einen Musiker von 1,80 Meter angelegt. Trotzdem spielen die meisten erwachsenen Gitarristinnen und Gitarristen auf 4/4-Instrumenten. Mach Dich also mit dem Thema nicht verrückt. Solltest Du aber das Gefühl haben, eine 4/4-Gitarre könnte für Dich (vor allem am Anfang) zu groß sein, lass Dich hierzu im Fachgeschäft oder von Deinem Lehrer beraten. Mehr Infos findest Du sonst hier.

Warum Du eine neue Gitarre einstellen lassen solltest
Leider kann auch eine Qualitätsgitarre am Anfang schwächeln, da die meisten Instrumente das Werk ohne Feintuning verlassen. Zum Beispiel kann der Abstand zwischen Saiten und Hals zu groß sein: Du brauchst dann mehr Kraft als nötig, um die Saiten herunterzudrücken, und präzises Spiel ist schlimmstenfalls unmöglich. In diesem Fall solltest Du ein Set-up durchführen lassen. Das bedeutet, dass ein Gitarrenbauer das Instrument sorgfältig neu justiert. Wenn Du Dir also an Deinem neuen Baby fast die Finger abbrichst – nicht gleich verzweifeln, sondern ab in die Gitarrenwerkstatt. Generell sind Gitarrenbauer so was wie Magier, die für viele Probleme eine Lösung haben. Und fragen kostet ja nix.

Gut zu wissen: CITES-2-Regelung
Nachhaltigkeit ist auch im Instrumentenbau ein großes Thema. Viele beliebte Klanghölzer kommen direkt aus dem Regenwald, zum Beispiel Mahagoni und Palisander (engl.: Rosewood). Um den internationalen Handel mit geschützten Arten im Blick zu behalten, wurde das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, kurz: CITES, ins Leben gerufen. Seit 2017 greift die sogenannte CITES-2-Regelung, die mehrere Palisanderarten umfasst. Wichtig zu wissen: Es ist zwar erlaubt, Instrumente mit Palisanderanteil zu besitzen und zu verkaufen – es müssen aber beim Erwerb und Verkauf entsprechende Nachweise ausgehändigt werden. Mehr über diese CITES-2-Regelung erfährst Du hier.

5. Was ist das wichtigste Handwerkszeug?

Die gute Nachricht: Um zu starten, brauchst Du wirklich nichts außer Deiner Gitarre! Erst mal solltest Du Spaß haben und Dich nicht mit zu vielen Details herumärgern. Trotzdem hier mal ein paar wichtige Tools.

Gigbag oder Instrumentenkoffer
Ob zum Gitarrenunterricht, zur Bandprobe oder zum Kammerspiel in Omas Wohnzimmer: Früher oder später wirst Du Dein Instrument von zuhause wegbewegen. Da sich eine Plastiktüte zum Verstauen eher weniger eignet, brauchst Du eine Instrumententasche, das so genannte Gigbag. Das kannst Du Dir einfach auf den Rücken schnallen. Für Autofahrer lohnt sich ein Gitarrenkoffer. Den kannst Du dann schmerzfrei in den Kofferraum schmeißen. Na ja. Vielleicht nicht direkt schmeißen.

Handwerkszeug für die Gitarre: Plektren verschiener Stärke

Plektren zeigen das gleiche Verhalten wie Socken: Sie verschwinden gerne in Paralleluniversen

Plektrum
Im Prinzip lässt sich jede Gitarre mit den Fingern spielen. Für besonders brillante Töne oder um sehr schnell spielen zu können, brauchst Du ein Plektrum. Dabei handelt es sich um ein Plättchen, mit dem Du die Saiten anschlägst. Dazu ist ein sehr präzises Spiel mit beiden Händen notwendig – daher besser erst damit anfangen, wenn Du halbwegs sicher spielen kannst.

Gitarrengurt
Klassische Gitarristen spielen im Sitzen. Möglicherweise ist Dir aber aufgefallen, dass Rockgitarristen stehen – und dabei viel lässiger aussehen. Um Deinen Coolnessfaktor zu erhöhen, kannst Du es ihnen nachmachen und einen Gitarrengurt anschaffen. Prüfe aber vorher, ob Deine Gitarre eine entsprechende Halterung besitzt, und wenn ja, welche.

Was ist ein Kapodaster?

Kapodaster gibt es für elektrische und Akustikgitarren.

Kapodaster
Damit kannst Du zaubern! Dieses Gerät klemmt man auf den Hals der Gitarre, um die Saiten zu verkürzen – und schon verändert sich die Tonart. So kannst Du diese an Deine Stimmlage anpassen, aber die gewohnten Griffe beibehalten. Umgekehrt kannst Du damit die Tonart beibehalten, aber den Fingersatz verändern – zum Beispiel, wenn die Akkorde in der festgelegten Tonart besonders schwer zu greifen sind. Für Dich wichtig zu wissen: Der Kapodaster macht Dich flexibel und nimmt Dir viel Arbeit ab. Also in jedem Fall anschaffen.

6. Was unterscheidet Rhythmus- und Leadgitarre?

Oh je, wie erklärt man das nur? Also. In Deinen ersten Gitarrenstunden wirst Du vermutlich erst einmal das Rhythmusspiel erlernen. Heißt: Dein Instrument spielt einen gleichmäßigen Rhythmus auf der Grundlage einzelner Akkorde oder prägnanter, wiederkehrender Figuren („Riffs“). Damit kannst Du zum Beispiel Deinen Gesang begleiten. Gibt es in einer Band neben der Rhythmus- noch eine Leadgitarre, kann diese gezielt Akzente setzen und eigene Melodielinien spielen – zum Beispiel bei einem Solo. Dies ist in der Regel frei improvisiert und basiert auf bestimmten Tonleitern, die der Solist genau kennen muss. Der Leadgitarrist setzt dabei auf Einzelnoten, musikalische Motive auf Basis einer Tonleiter („Licks“), vielfältige Techniken und unterschiedliche Geschwindigkeiten, um das Solo spannungsreich und kreativ zu gestalten. Damit das gelingt, sind Leadgitarristen oft technisch sehr versiert und sehr schnell. Deshalb steht der Leadgitarrist als Virtuose oft im Mittelpunkt einer Band. Wer sich aber schon einmal selbst minutenlang durch die immergleichen Riffs und komplizierten Akkorde schlagen musste, weiß, wie schwer Rhythmusgitarre sein kann. Bei der Rhythmus- und Leadgitarre handelt es sich also um eine wertfreie Aufteilung der Bandaufgaben und fließend ist der Übergang sowieso.

7. Jazz oder Blues? Beatles oder Stones? Fender oder Gibson?

Wer anfängt, sich mit Gitarren zu beschäftigen, erhält zuweilen das Gefühl, sich permanent mitten in einem Religionskrieg zu befinden. Nichts scheint wichtiger zu sein als das richtige Genre, die richtige Technik, das richtige Instrument. Und schnell wird klar: So etwas wie „das“ Gitarrenspiel gibt es nicht. Während die Jazzgitarristen halsbrecherische Akkorde spielen, rutschen Bluesgitarristen rotzig auf einer Saite hin und her. Hardrockgitarristen dagegen sehen im Gitarrenspiel eine Art sportlichen Wettstreits, bei dem schnell, weiter, höher zählt. Und wer überhaupt keine Ahnung hat, schwärmt vorsichtshalber gebetsmühlenartig von der angeblich einzig wahren Gitarre, der Paula. Regel Nummer Eins: Lass Dich davon nicht beeindrucken. Regel Nummer Zwei: Mach Dir ein eigenes Bild von der besten Gitarre, der besten Band und dem besten Genre. Hab einfach Spaß. Selbst, wenn Du mal daneben liegst. Oder etwas gar nicht auf die Reihe kriegst. Oder Dich die ganze Zeit mit Jimi Hendrix vergleichst, obwohl Du weißt, dass das totaler Schwachsinn ist. Weil … Du weißt schon. Meister, die nicht vom Himmel fallen und so. Ist doch klar. Oder?

Worum es auf diesem Blog sonst noch geht? Gleich mal hier nachlesen.

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