Porträts

„Pipi Popo Kacka geht immer …“

Schreibe einen Kommentar

… sagt zumindest das Künstlerduo ZeberPurcz, dem nichts Menschliches fremd ist. Wie Cartoons im Netz funktionieren, warum sich Kreative locker machen sollten und wie es um Stefan M.s Pubertäspixel bestellt ist, verrieten mir die beiden im Interview. Dazu besuchte ich sie weder in einer Hotel-Lounge, noch in einem Atelier. Ich habe einfach angerufen. Muss auch mal sein.

Hinter ZeberPurcz stecken Designerin Dana und Texter Karsten. Kennengelernt haben sich die beiden in einer Agentur. Seit kurzem treiben sie jedoch mit eigenen Projekten auf Facebook und in Galerien ihr Unwesen. In spitzzüngigen Cartoons (die sich sprichwörtlich auf Karton befinden) widmen sie sich den kleinen und großen Macken ihrer Mitmenschen und (mal mehr und mal weniger) subtilem Wortwitz. Als frisch gebackene Bloggerin interessierte mich besonders, wie ihre Geschichten online und im wahren Leben wirken. Lest gleich mal, was mir Dana und Karsten geantwortet haben.

Der große Zauderer Houdini. Eventuell am 12.12 im Bürgerhaus. Vielleicht sogar früher – oder später. Oder ganz woanders.

(c) ZeberPurcz: Bezaudernde Ankündigung

Unter dem Motto „Reden ist Pappe“ entwickelt ihr Cartoons in Papprahmen – wie zum Teufel kamt Ihr auf diese Idee?

Karsten: Aus der Not heraus.

Dana: Der Karsten hatte ein Notizbuch voller Textzeilen und Sprüche. Irgendwie hatte er sich alles Lustige notiert, das ihm einfiel. Das wurde plötzlich konkret, als ich noch Produkte für einen Verkaufsstand auf einem lokalen Design-Markt brauchte. Karten oder Bilder, so etwas. Da kam uns der Gedanke, die Ideen aus dem Notizbuch auszuarbeiten. Damit ging’s los. Wir brauchten Material, um das kurzfristig umsetzen zu können. Also zeichneten wir die Bilder auf Pappe und machten daraus auch gleich die Rahmen. Einmal mit dem fetten Edding drüber und zack – fertig. Visuell passte das super: Alles war in einem Stil, es sah sehr cool aus. Wir waren von der Wirkung begeistert.

Verkaufte es sich?

Dana: Unsere Bilder liefen wie Schmidts Katze. Auch im Freundeskreis erhielten wir jede Menge Anfragen. Es war kurz vor Weihnachten und da waren Leute, die eben noch zwei, drei Mitbringsel für Freunde suchten. Wir waren von dem Erfolg selbst ganz überrascht. Meine Eltern allerdings schlugen die Hände überm Kopf zusammen – wie kann man Bilder in Papprahmen ausstellen?

Und wie waren die Reaktionen auf eure Bilder?

Dana: Immer gleich. Die Leute haben gekichert. Dann haben sie einen Kumpel herangezogen und der hat auch gekichert. Es war immer genau die gleiche Reaktion …

Karsten: Bei unseren Freunden war lustig, dass sie immer wussten, für wen welcher Cartoon das geeignete Geschenk war.

Wir sind das Volk! Ich bin der Volker.

(c) ZeberPurcz. Volker führt besorgte Bürger vor.

Es gab also regelrecht Zielgruppen für einzelne Witze. Habt ihr das auch online so erlebt? Ihr nutzt ja für das Projekt inzwischen hauptsächlich Facebook.

Karsten: Ja und wir waren überrascht, wie gut das klappte. Schon optisch stachen unsere Sachen in der Timeline hervor. Schnell bemerkten wir, dass tagesaktuelle Bezüge besonders gut funktionieren. Als die Diskussion um die ganzen besorgten Bürger aufkam, haben wir den Cartoon mit dem Volker online gestellt. Auf einer Anti-Nazi-Seite lief der sehr erfolgreich, wurde 100 Mal geteilt.

Dana: Was auch gut geht: Wenn die Leute ihre eigene Meinung dazu sagen können. Und die ganzen versauten Dinger natürlich! Pipi Popo Kacka halt.

Cartoons lustig

(c) ZeberPurcz. Dieser Gag erfreute die Facebook Fangemeinde pünktlich zum Muttertag.

Karsten: Pipi Popo Kacka geht immer gut. Gute Headline für das Interview übrigens!

Au Mann, führ niemals ein Interview mit einem Texter … Na gut, ich denk mal drüber nach. Aber jetzt zurück zu Volker. Wenn ihr euch über Pegida & Co. lustig macht – seht ihr euch als politische Cartoonisten?

Dana: Es ist nicht unser Ziel, politische Statements zu machen … Aber manchmal bewegen uns Themen ganz persönlich. Oder es gibt einfach Sachen, die uns ankotzen. Und darüber sprechen wir natürlich.

Karsten: Unser Ziel ist es, Spaß an unseren Witzen zu haben. Der Witz steht für uns immer an oberster Stelle und nicht die Political Correctness. Ich glaube, es war Robert Gernhardt, der gesagt hat „Jeder Witz, der einem einfällt, sollte auch gemacht werden.“ Genau so sehe ich das auch. Aber wir möchten kein Geschmäckle erzeugen und legen es nicht darauf an, damit zu provozieren oder zu polarisieren.

Wo zieht Ihr da die Grenze? Die eine oder andere Aussage kriegt doch sicher so manch einer in den falschen Hals?

Dana: Klar, das lässt sich in der menschlichen Kommunikation gar nicht vermeiden. Es ist doch im Alltag genau so: Den einen stören meine Klamotten, der Zweite versteht meine Mimik falsch und dem Dritten passt meine Gestik nicht. Aber wir verletzen niemanden absichtlich und haben da natürlich auch einfach ein Anstandsgefühl. Wenn andererseits jemand mal eine deutliche Meinung verdient hat, dann lassen wir die auch raus.

Bägida: Bäcker gegen Islamisierung des Abenbrotes

(c) ZeberPurcz. Da hatte Pegida wohl eine deutliche Meinung verdient.

Im September wurden eure Arbeiten in einer Galerie ausgestellt. Das ist ja schon mal was ganz anderes als Facebook. Wie kam’s?

Dana: Ein Kollege von uns stellte den Kontakt zur Galerie Kaiser and Cream in Wiesbaden her. Der Galerist ist immer auf der Suche nach spannenden neuen Formaten und wollte die Rahmenerzählungen gerne ausstellen. Die große Frage war nur: Wie stellt man unsere Arbeiten in einer Galerie aus? Da haben wir ganz schön gegrübelt. Dann wurden es die Rahmen in XXL: sehr, sehr viel größer, aufwändiger und opulenter.

Diesmal verkauften sich die Bilder aber nicht …

Karsten: Richtig. Der Galerist veranschlagte 900 Euro pro Bild. Das war schwierig.

Dana: Ja, aber das hat uns eigentlich auch nicht weiter verwundert. Zum einen brauchen Interessenten das richtige Ambiente und den entsprechenden Platz, um sich eines unserer Bilder aufzuhängen. Zum anderen ist es für alle Neulinge auf dem Kunstmarkt schwer, sich ein Renommée zu erarbeiten. Hier Fuß zu fassen erfordert langjährige Arbeit und massiv viel Einsatz. Das ist ein völlig anderes Pflaster, als wenn man mal eben für ein paar Euro eine Design-Postkarte auf einem Weihnachtsmarkt verkauft – das darf man einfach nicht vergessen.

In den Rahmenerzählungen von Dana und Karsten steckt viel Liebe zum Detail

In den Rahmenerzählungen von Dana und Karsten steckt viel Liebe zum Detail.

Sicher haben auch die Materialien eine Rolle gespielt: Pappe und Edding sind nun mal Pappe und Edding. Trotzdem steckt da viel Arbeit drin – sind eure Bilder da den Preis nicht trotzdem Wert?

Dana: Absolut! Es geht ja um die künstlerische Idee und nicht um die Materialien – die in unserem Fall eben auch Teil dieser Idee sind. Stelle ich in einer Galerie aus, dann bestimmen die schöpferische Leistung, der kreativ-konzeptionelle Prozess den Wert. Was oft vergessen wird: Hinter jedem Bild stecken sehr viel Denkarbeit und entsprechend viel Zeit. Ein gutes Motiv schüttelt man nicht mal eben aus dem Ärmel, auch wenn es hinterher so leicht und locker aussieht. Und auch die Umsetzung ist aufwändig. Die großen 3D-Rahmen bestehen aus verschiedenen Schichten von zwei, drei flachen Rahmen. Die müssen auch stabil und sauber verklebt werden. Die Bilder selbst sind alle Unikate, direkt mit Edding auf den Untergrund aufgetragen. Der besteht teilweise aus Original-Tapete. Es dauert seine Zeit, bis das fertig ist.

Mich würde mal interessieren, was die Leute in der Ausstellung dazu gesagt haben – Witze in einer Galerie.

Dana: Sie haben sich ehrlich damit auseinandergesetzt und auch viel diskutiert. Was uns besonders erstaunt hat: Die Besucher der Ausstellung haben sich unheimlich viele Gedanken dazu gemacht, wie wir arbeiten. Oft kam die Frage, ob zuerst die Texte entstehen oder die Bilder. Meistens ist es in der Tat so, dass Karsten mit einem Spruch vorlegt. Dann setzten wir uns zusammen und überlegen, wie wir daraus einen coolen Cartoon machen. Um die Ausarbeitung kümmere ich mich dann. Vielen war auch nicht so klar, wie enorm lange wir an den Details feilen, bis uns Bild und Text wirklich 100%ig gefallen.

Kontakt und Visitenkarte ZeberPurcz

Berüchtigte Rückseite: die Visitenkarte von ZeberPurcz.

Also der Karsten haut einen Spruch raus und dann wird daraus irgendwas anderes – gib doch mal ein Beispiel.

Dana: Unsere Visitenkarte. Ja, der Karsten hatte die Idee mit dem Spruch auf der Rückseite … Ich hab mich weggeschmissen, als er den rausgelassen hat. Ich fand’s total lustig und meinte, der muss einfach auf unsere Visitenkarte. Da war er plötzlich total still. Einfach unsicher, ob wir das machen sollten. Haben wir dann aber. Ob jeder den Witz verstanden hat, wissen wir nicht. Da war bei einer Ausstellung ein Besucher, der hat die Visitenkarte hochgehoben, den Spruch gelesen und die Karte daraufhin ganz, ganz schnell wieder zurückgelegt. Es war niederschmetternd. (lacht)

„Ideen kommen beim Machen! Man muss immer weiter raushauen und dann ergibt sich was.“
Dana

Echt? Ich musste über den Spruch auch lachen … Interessieren würde mich jetzt noch, wie es weiter geht. Ein Buch oder ein Kalender vielleicht?

Karsten: Darüber haben wir nachgedacht, aber dann muss auch ein gutes Konzept dahinter stehen. Unsere Geschichten sollen diese Lockerheit behalten, die aus dem Alltag kommt. Was wir als nächstes machen, bleibt total offen.

Dana: Am Anfang haben wir total herumgekrampft: Wie bringen wir die Rahmenerzählungen nach vorne? Dann muss man sich immer wieder runterbringen. Wir haben ja erst vor drei, vier Monaten damit begonnen. Jetzt einfach mal laufen lassen … Ideen kommen beim Machen! Man muss immer weiter raushauen und dann ergibt sich was. Bei zu viel Steuern und Konzeptionieren verkrampft man zu viel. Einfach weitermachen und sehen, was sich ergibt.

Danke für das Gespräch! Abschließend lüfte ich jetzt auch das Geheimnis um Stefan M.s Pubertätspixel:

Stefan M., 17 Jahre, wird wegen seiner Pubertätspixel von niemandem erkannt.

(c) ZeberPurcz: Teenager haben’s schwer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.